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Erhöhte Sturzgefahr im Winter: Bei Glatteis schon mal den Pinguin-Gang versucht?

Jetzt kommt der Winter doch noch - und mit ihm Stürme, Schnee und Glatteis. Sturzgefahr!

„Auf vereisten Wegen rutschen die Menschen nicht nur eher aus, auch der Aufprall ist besonders hart“, sagt rof. Dr. Niels Follak, Chefarzt in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Klinikums in den Pfeifferschen Stiftungen. „Man kann sich leider fast jeden Knochen brechen, Hand- und Fußgelenkknochen, Arme und Beine. Häufig sind auch Verletzungen der Bänder, etwa im Sprunggelenk oder am Knie. Ob ein Knochen gebrochen ist, erkennt man bei starken Schmerzen und einer unnatürlichen Stellung. Sicher abklären, ob ein Bruch vorliegt, lässt sich das mit einer Röntgenaufnahme. Ist auch der Schädelknochen betroffen, wird meist eine Computertomografie durchgeführt, um mögliche Gehirnblutungen zu entdecken.“

Doch oft sind nach Glätte-Stürzen die Hände lädiert. Unser Körper besitzt nämlich viele antrainierte, aber vor allem automatisierte Schutzmechanismen, die schwer beeinflussbar sind. „Um das Gleichgewicht zu halten, nutzen wir ohne nachzudenken alle vier Extremitäten – die Arme genauso wie die Beine. Können die Beine das Gleichgewicht nicht wiedererlangen, versuchen dies aus unserer Natur heraus die Hände und halten einen Sturz ab, dabei verletzen wir uns oft Arme oder Hände. Durch diesen evolutionären Vorgang werden aber wichtige Körperbereiche wie der Kopf oder der Körperstamm mit den lebenswichtigen Organen geschützt“, erklärt der Chefarzt.

Häufig tritt ein Bruch des Handgelenkes auf, der teils sehr kompliziert sein kann. Aber auch Brüche im Bereich der Handwurzel müssen wir ernst nehmen. Häufig sind diese in der Behandlung langwierig, und nicht selten bleiben Einschränkungen bestehen. Auch Verletzungen der Bänder, des Handgelenkes und/oder des Handgelenksmeniskus passieren und können, da ja dem Laien erst mal nichts gebrochen zu sein scheint, zunächst unterschätzt werden, sodass dauerhafte Beschwerden bleiben können.

Sollte man bei Stürzen versuchen, sich mit den Händen abzufangen? Prof. Follak: „Wir können unsere Schutzreflexe kaum austricksen, sodass sich jeder erst mal automatisch mit der Hand abzustützen versucht. Sich direkt fallen zu lassen, ist aber nicht zu empfehlen, da hierbei die Verletzungen weitaus gefährlicher werden können.“

Aber, so sagt der Experte weiter, man könne schon trainieren, wie man im Falle eines Sturzes richtig fällt. Das lernt man besonders bei Kampfsportarten wie Aikidō, Judo oder Ringen. Ein Abrollen über die Schulter oder eine Körperdrehung zum koordinierten Abstützen mit beiden Händen wird auch im Schulsport gelehrt.

„Leider lässt der allgemeine Fitnesszustand mit zunehmendem Alter, oft fehlender Motivation oder Zeit für Freizeitsport nach. Mein Rat sind ausgeglichene Bewegung, damit einhergehendes Training des Gleichgewichtes und der allgemeinen Gelenkigkeit. Allerdings leiden ältere Menschen zunehmend an Osteoporose, sodass auch Unfälle mit niederer Kraft schon zu Brüchen führen können. Dieses Risiko lässt sich dann nur durch hausärztliche Kontrolle und Beratung verringern.“

Prof. Follak verweist auf eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, und die lautet: Bei Glatteis versuche den Pinguin-Gang! Man schiebt das Gewicht über das vordere Bein und tritt mit ganzer Sohle auf. Dabei zeigt der auftretende Fuß leicht nach außen. Diese Haltung sieht vielleicht etwas merkwürdig aus, stabilisiert aber den Körper.

Wenn der Boden spiegelglatt ist, sollte man sich bei einer anderen Person unterhaken oder an einer Hauswand entlang gehen. Draußen geben Schuhe, deren Sohle ein Profil hat, meist einen guten Halt. Winterschuhe ohne Profil kann man mit Anti-Rutsch-Sohlen aufrüsten. Ältere Menschen, die nicht mehr so sicher laufen können, sollten keine unnötigen Gefahren eingehen und bei starker Glätte möglichst zu Hause bleiben. 

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